Aus alten Zeiten

Aus alten Zeiten


Leonie Meyerhof, Aus alten Zeiten (ca. 1906)

Seien Sie sehr herzlich begrüßt, meine Damen und Herren.

Mein Name ist Leonie Meyerhof. Ich wurde im Jahre 1858 hier in Hildesheim geboren, lebe aber schon lange in Frankfurt.  Neben meiner journalistischen Arbeit habe ich Novellen und Romane veröffentlicht,  in denen ich mich oft für Rechte von Frauen einsetze.

Kürzlich hat mich ein Aufsatz des Herrn Dr. Möbius schrecklich geärgert, der doch tatsächlich behauptete, den Beweis für den „physiologischen Schwachsinn des Weibes“ gefunden zu haben. Es gab eine Menge von empörten Leserbriefen pro und contra, und als meine Antwort erschien jetzt ein kleines Buch, das so manche Männer-Überzeugungen mit spitzer Feder aufspießt.  Der Titel ist: „Penthesileia.  Ein Frauenbrevier für männerfeindliche Stunden“. 

Einige Beispiele möchte ich Ihnen hier kurz zitieren:

 [Siegfried: „Wie war es dir möglich,“  fragte Brunhild ihren einstigen Geliebten, „mich um einer Kriemhild willen zu verlassen? Konntest du je glauben, sie würde dir eine gleichwertige Gefährtin werden – oder bist du dir deines Wertes nicht bewusst?“
„Du bist dir auch des deinen bewusst,“  versetzte Siegfried, „und das ist mir lästig. Bedeutende Frauen sind auf die Dauer zu unbequem. Man kann an ihnen nicht einmal seine Launen auslassen, ohne dass man in Gefahr kommt, vor ihnen lächerlich zu werden. In Kriemhilds Augen bin ich in jedem Augenblicke der Halbgott, selbst wenn ich ihr um eines abgerissenen Hemdenknopfes willen sage, sie sei meiner nicht würdig.“]

Theseus: Nachdem Ariadne den Theseus durch ihre Klugheit und Hingebung aus dem Labyrinth gerettet hatte, ließ er sie auf Naxos sitzen.
Nun – und was weiter? Was ist dabei Ungewöhnliches -?

Aus dem Tagebuch eines berühmten Mannes:

1) Meine Frau besitzt ebenfalls ein Talent. Da sie das meine als das größere anerkennt, so bin ich entschlossen, ihr das ihre zu verzeihen.

2) Sage mir, wie hoch du mich schätzest, und ich sage dir, wer du bist.

Und noch zwei Zitate aus: Penthesileias Lexikon:
Abneigung           kein Ehehindernis
Adam                   der erste jener Unmündigen, die da sagten: Herr, das    Weib verführte mich!


So geht es weiter bis zum Z, doch diese Beispiele sollen für heute genügen.

Ich hege die Hoffnung, ich habe die Damen erfreut und die Herren nicht allzu sehr erzürnt.

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