Aus alten Zeiten

Aus alten Zeiten


Barbelin Diederich (1572)

Seid gegrüßt, ihr Leut‘.  Habt ihr vorhin in der Neustadt auch den Brautzug gesehen, der dem Bäcker Schwenkler die neue Frau ins Haus gebracht hat? Armselig, ganz armselig!  Aber die Leute wollen ja wissen, wer da demnächst in die Nachbarschaft aufgenommen wird. Wenn ich da an meine Hochzeit denke. Na ja, um ehrlich zu sein, meine Truhe war zwar erheblich schöner und besser gefüllt, aber es gab kaum Leute, die wissen wollten, wen sich der Sohn des Hildesheimer Scharfrichters da als Braut genommen hat. Nur meinen Vater, den Braunschweiger Scharfrichter Christoph Gördens, den haben sie begafft, als ob’s der Leibhaftige selber wäre. 

Als Mädchen in einer Scharfrichterfamilie aufzuwachsen, sag ich euch, das ist nicht leicht. Natürlich musste ich bei meiner Mutter alles lernen, was ein Weib wissen muss, also Spinnen, Weben, Nähen, Kochen und vieles mehr. Manch Braunschweiger Bursch hatte ein Auge auf mich geworfen, aber auf Tändeleien durfte ich mich nicht einlassen, schließlich wäre eine Hochzeit mit einer wie mir nie erlaubt worden. Und meine Eltern haben mir immer wieder eingebläut, meines Vaters Handschrift war oft schmerzhaft klar, dass sie mir den Richtigen schon aussuchen würden. Aber dann hat mein großer Bruder seine Braut heimgeführt und auch für mich wurde es höchste Zeit, in die Vormundschaft eines Ehemannes gegeben zu werden. Immerhin war ich da schon 16 Jahre alt.

Ja, und wieso ich jetzt seit über 20 Jahren in Hildesheim verheiratet bin, das ist eine lange und schöne Geschichte.

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